Durchgangssyndrom – 2014


Wachs, Mullbinde und Kleister auf Schwarzblech.


In der Medizin wird als Durchgangs-syndrom eine Kombination aus weitgehend unspezifisch ausgelösten reversiblen Psychosen bezeichnet. Das Durchgangs- syndrom manifestiert sich vor allem in Bewusstseinseinschränkung sowie             -veränderung, Dämmer-zustand, Delir, Halluzinationen, Wahn-vorstellungen und Erregungszuständen. Diese bleiben auf unbestimmte Zeit bestehen. Das Syndrom tritt vor allem nach schweren Eingriffen am Körper und anderen organischen Ursachen auf sowie aufgrund von Drogenwirkung oder Drogenentzug.


Der Bildraum gleicht in seinem Aufbau und seiner Architektur einem Türrahmen; also etwas, dass gemeinhin eine Grenze symbolisiert. Die Figur scheint, bedingt durch Haltung und Körpersprache, jene Begrenzung nur mit Widerstand durchbrechen zu können. Das Heraustreten der Figur aus der Fläche des Metalls symbolisiert eine potentielle Grenzüberschreitung;

ein Durchgangsmoment, welches in seiner Bewegung eingefroren wurde. Die Figur ist als eine Leerstelle zu verstehen, in die sowohl der Dichter Georg Trakl eingedacht werden kann, wie auch Täter und Opfer des 1. Weltkrieges. Man ist in jener Zeit kollektiv gesehen an einer Grenze angelangt, einer Situation die keinen Ausweg zulässt.

Was bleibt ist der Versuch jene Grenze zu überschreiten. Dieser Versuch fordert aber einen Preis ein; den Preis eines Weltkriegs. Trakl ist jener Grenzdurchschreitung nicht gewachsen, die Kriegserfahrung und die Ausweglosigkeit seiner Situation in Grodek verweigern ihm ein Fortkommen. Die Rostflecken unterhalb der organischen Oberfläche des Wachses, die in ihrer Färbung an Blutflecken erinnern, verweisen deutlich auf die Folgen, die ein solcher Grenzdurchgang mit sich bringt. Der Widerstand des Eisens schneidet quasi in das applizierte, verletzliche und leicht verformbare Material ein und unterstreicht damit den Moment von Gewalt am Körper noch einmal mehr.

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